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Use-Case · Bestand

Wärmepumpe im Altbau — funktioniert das wirklich?

Ja — Wärmepumpen funktionieren auch in unsanierten Altbauten. Die Fraunhofer-ISE-Studie „WPsmart im Bestand" hat 2020 gezeigt: 56 Wärmepumpen in nicht oder nur teilsanierten Bestandsgebäuden erreichen JAZ-Werte von 2,8–3,5 — ausreichend für wirtschaftlichen Betrieb. Voraussetzung ist, dass die Vorlauftemperatur unter 55 °C bleibt und die Heizkörper für die niedrige Vorlauftemperatur ausreichend dimensioniert sind.

Auf einen Blick

Aspekt Wert / Hinweis
Praxis-JAZ Altbau 2,8–3,5 (Fraunhofer-ISE-Mittel)
Maximale Vorlauftemperatur 55 °C für wirtschaftlichen Betrieb
Studie WPsmart im Bestand (Fraunhofer ISE 2020)
Heizkörper-Tausch 300–600 € pro Stück
Empfohlene Sanierungs-Reihenfolge Heizlast prüfen → Heizkörper anpassen → WP

Wärmepumpen funktionieren auch in unsanierten Altbauten — die Fraunhofer-ISE-Studie WPsmart hat das 2020 belegt. Wer JAZ 2,8 oder besser erreichen will, muss die Vorlauftemperatur unter 55 °C halten. Im Altbau heißt das: Heizkörper bei Bedarf gegen größere tauschen (5.000–8.000 € im EFH) — meistens günstiger als eine Voll-Sanierung der Gebäudehülle (60.000–80.000 €).

Welche Vorlauftemperatur braucht der Altbau?

Die alte Öl- oder Gasheizung lief typisch auf 65–75 °C Vorlauf. Eine Wärmepumpe arbeitet dagegen am effizientesten bei ≤ 45 °C. Faustregel: pro Grad mehr Vorlauf sinkt die JAZ um ~2,5 %. Im Altbau muss der Heizungsbauer die nötige Vorlauftemperatur ermitteln — durch eine Heizkörper-Auslegungsrechnung pro Raum bei Norm-Außentemperatur (−12 °C). Wenn alle Heizkörper bei ≤ 55 °C die Norm-Heizlast schaffen, ist die WP wirtschaftlich.

Welche Heizkörper sind „WP-tauglich"?

Flächenheizungen (Fußboden, Wand) sind ideal — sie kommen mit 30–40 °C Vorlauf aus. Bei normalen Plattenheizkörpern entscheidet die Größe: ein „doppelter" Heizkörper (z. B. Kompakt-Typ 22 statt 11) liefert bei gleicher Vorlauftemperatur die doppelte Leistung. Im Altbau-Schlafzimmer reicht oft ein bestehender alter Heizkörper, im großen Wohnzimmer muss er meist getauscht werden — pro Heizkörper ~300–600 €.

Wann lohnt sich eine Voll-Sanierung vor der WP?

Bei einem unsanierten Altbau (Heizlast > 100 W/m², Heizenergiebedarf > 200 kWh/m² a) gibt es zwei Strategien: (1) Erst Dämmung + neue Fenster (Heizlast halbieren), dann WP — viel höhere JAZ (3,5+), aber lange Investition (~80k €). (2) Direkt WP mit großen Heizkörpern + Fußbodenheizung im EG, JAZ 2,8–3,2 — schneller und KfW-458-förderfähig auch ohne Voll-Sanierung. Strategie 2 ist meist wirtschaftlicher, weil die KfW-Förderung den Mehrpreis der Anschaffung deckt und die laufenden Stromkosten bei JAZ 2,8 noch unter Gas-Niveau liegen.

Altbau-WP-Checkliste

  • Heizlast nach DIN EN 12831 berechnen lassen
  • Heizkörper-Auslegungsrechnung pro Raum (≤ 55 °C Vorlauf)
  • Stark unterdimensionierte Heizkörper tauschen (~400 €/Stk)
  • Hydraulischer Abgleich nach Verfahren B (KfW-Pflicht)
  • Vorhandene Fußbodenheizung gnadenlos nutzen — sie ist Gold wert

Häufige Fragen

Lohnt sich eine Wärmepumpe im 70er-Jahre-Altbau ohne Dämmung?
Ja, wenn die Heizkörper auf ≤ 55 °C Vorlauf umrüstbar sind. Bei JAZ 2,8 liegen die jährlichen Stromkosten meist gleichauf mit Gas (Stand 2026). Mit KfW-458-Förderung bis 70 % wird die Anschaffung zudem deutlich attraktiver als ein neuer Gas-Kessel.
Was kostet die Heizkörper-Anpassung im Altbau?
Pro Heizkörper 300–600 € (Material + Installation). Im EFH müssen typisch 4–8 Heizkörper getauscht werden (Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad — andere Räume oft schon ausreichend). Gesamt 2.000–5.000 €. Anteilig KfW-458-förderfähig.
Reicht es, die Wärmepumpe einfach anzuschließen, ohne den Altbau anzufassen?
Selten. Bestehende Heizkörper aus den 70er-/80er-Jahren waren für 70–90 °C ausgelegt und liefern bei 50 °C nur 30–40 % der Nennleistung. Ohne Anpassung droht: WP schafft die Soll-Temperatur an kalten Tagen nicht, Heizstab springt häufig an, Stromkosten explodieren.
Transparenz

Unsere Quellen

  1. [01]
    WPsmart im Bestand — Fraunhofer ISE
    ise.fraunhofer.deFachartikel
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