BundesBonus
Antrag · Existenzgründung

Gründungszuschuss beantragen — aus dem ALG I in die Selbstständigkeit

Der Gründungszuschuss (§§ 93, 94 SGB III) fördert Empfänger von Arbeitslosengeld I, die ihre Arbeitslosigkeit durch eine hauptberufliche Selbstständigkeit beenden. Gezahlt werden sechs Monate lang das zuletzt bezogene Arbeitslosengeld plus 300 Euro monatlich, danach können auf Antrag weitere neun Monate je 300 Euro gezahlt werden. Der Zuschuss ist eine Ermessensleistung der Agentur für Arbeit — der Antrag muss vor Aufnahme der Tätigkeit gestellt werden, mit Tragfähigkeitsbescheinigung einer fachkundigen Stelle.

Phase 1 (6 Monate)
letztes ALG I + 300 €/Monat
Phase 2 (9 Monate)
300 €/Monat auf Folgeantrag
Voraussetzung
ALG-I-Restanspruch ≥ 150 Tage
Antrag
VOR Gründung, Agentur für Arbeit

Was ist der Gründungszuschuss — und warum ist „Ermessen" so wichtig?

Der Gründungszuschuss sichert den Lebensunterhalt und die soziale Absicherung in der Startphase, wenn ein ALG-I-Empfänger seine Arbeitslosigkeit durch eine selbstständige, hauptberufliche Tätigkeit beendet[01]. Entscheidend: Er ist eine Ermessensleistung der aktiven Arbeitsförderung, „auf die kein Rechtsanspruch besteht"[03]. Der Zuschuss kann gezahlt werden, wenn die selbständige Tätigkeit voraussichtlich zu einer dauerhaften beruflichen Integration führt[03]; die Agentur für Arbeit muss davon überzeugt sein, dass die Selbstständigkeit gute Erfolgsaussichten hat, und die Vermittlungsfachkraft beurteilt, ob die notwendigen Kompetenzen und Kenntnisse vorhanden sind[06]. Der Businessplan ist die Grundlage der Stellungnahme der fachkundigen Stelle.

Wer bekommt den Gründungszuschuss?

Das Gesetz nennt drei Voraussetzungen[01]: erstens ein Anspruch auf Arbeitslosengeld, dessen Restdauer bei Aufnahme der Selbstständigkeit noch mindestens 150 Tage beträgt und nicht allein auf § 147 Absatz 3 beruht (Ausnahme laut Bundesagentur: Menschen mit Behinderungen im Sinne des § 19 SGB III können den Zuschuss auch bei weniger als 150 Tagen oder ohne Anspruch auf Arbeitslosengeld erhalten[06]); zweitens der Nachweis der Tragfähigkeit der Existenzgründung durch die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle — das Gesetz nennt ausdrücklich Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, berufsständische Kammern, Fachverbände und Kreditinstitute; drittens die Darlegung der eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten für die Tätigkeit. Ausgeschlossen ist die Förderung, solange Ruhenstatbestände wie eine Sperrzeit vorliegen (§§ 156–159 SGB III), innerhalb von 24 Monaten nach einer früheren Gründungsförderung. Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat, erhält vom Beginn des folgenden Monats an keinen Gründungszuschuss mehr[01].

Wie hoch ist der Gründungszuschuss — und wie lange läuft er?

Die Förderung läuft in zwei Phasen[02]: Sechs Monate lang gibt es den Betrag des zuletzt bezogenen Arbeitslosengelds plus 300 Euro monatlich — die 300 Euro sind zur sozialen Absicherung gedacht[03]. Für weitere neun Monate können 300 Euro monatlich gezahlt werden, wenn die Geschäftstätigkeit „anhand geeigneter Unterlagen" dargelegt wird; bei begründeten Zweifeln kann die Agentur erneut eine Stellungnahme der fachkundigen Stelle verlangen[02]. Phase 2 muss eigens beantragt werden[06].

PhaseDauerHöhe pro MonatVoraussetzung
Phase 16 Monatezuletzt bezogenes ALG I + 300 €Bewilligung des Erstantrags
Phase 2weitere 9 Monate300 €Folgeantrag + Darlegung der Geschäftstätigkeit
Gründungszuschuss nach § 94 SGB III[02]

Wie läuft der Antrag Schritt für Schritt?

Der Antrag ist vor der Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit bei der für den Wohnsitz zuständigen Agentur für Arbeit zu stellen — sie händigt auch den Antragsvordruck aus[03]. Der Ablauf:

  1. Arbeitslos melden und ALG I beziehen — der Gründungszuschuss setzt einen laufenden ALG-I-Anspruch voraus; auf den Kalender achten: Bei Aufnahme der Selbstständigkeit müssen noch mindestens 150 Tage Restanspruch übrig sein.
  2. Gründungsabsicht der Arbeitsvermittlung mitteilen und förderungsrechtliche Fragen zuerst mit der Agentur klären — erst danach die fachkundige Stelle einschalten[03].
  3. Unterlagen für die fachkundige Stelle zusammenstellen — der BA-Wegweiser nennt: Kurzbeschreibung des Vorhabens (Businessplan), Lebenslauf, Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplan, Umsatz- und Rentabilitätsvorschau[03].
  4. Tragfähigkeitsbescheinigung einholen — die Stellungnahme (BA-Vordruck) stellen IHK, Handwerkskammer, berufsständische Kammer, Fachverband oder ein Kreditinstitut aus[01][04].
  5. Antrag mit allen Nachweisen VOR dem Gründungsdatum bei der Wohnsitz-Agentur einreichen (auch online möglich[06]) und die eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten für die Tätigkeit darlegen — etwa über Qualifikationsnachweise, Berufserfahrung oder Maßnahmen zur Vorbereitung der Existenzgründung[03]; auch ein Fortbildungsabschluss kann die Eignung untermauern[03]; wer ihn mit Aufstiegs-BAföG gefördert hat, kann bei einer Gründung unter Voraussetzungen das Restdarlehen erlassen bekommen.
  6. Im Anschluss an Phase 1 den Gründungszuschuss für Phase 2 eigens beantragen und dabei die hauptberufliche Geschäftstätigkeit mit geeigneten Unterlagen belegen[02][06].

Welche Stolpersteine kosten die Förderung?

Vier typische Fehler: Erstens, die selbständige Tätigkeit aufnehmen, bevor der Antrag gestellt ist — der Antrag muss vor der Aufnahme der Tätigkeit vorliegen[03]. Zweitens, den 150-Tage-Restanspruch verspielen: Wer zu lange wartet, rutscht unter die Grenze und erfüllt die Voraussetzung nicht mehr[01]. Drittens, eine Sperrzeit unterschätzen — etwa nach Eigenkündigung: Solange Ruhenstatbestände vorliegen oder vorgelegen hätten, wird nicht geleistet[01], und eine Sperrzeit mindert zugleich die Dauer des Arbeitslosengeld-Anspruchs[07]. Viertens, das Ermessen ignorieren: Es besteht kein Rechtsanspruch, und ohne überzeugende Tragfähigkeits-Unterlagen und Qualifikationsnachweise droht die Ablehnung — besser ist ein von Anfang an belastbarer Businessplan.

Häufige Fragen

Habe ich einen Rechtsanspruch auf den Gründungszuschuss?
Nein. Der Gründungszuschuss ist eine Ermessensleistung — der BA-Wegweiser formuliert ausdrücklich, dass „kein Rechtsanspruch besteht". Der Zuschuss kann gezahlt werden, wenn die selbständige Tätigkeit voraussichtlich zu einer dauerhaften beruflichen Integration führt; die Agentur muss von den Erfolgsaussichten überzeugt sein. Gegen einen ablehnenden Bescheid kann Widerspruch eingelegt werden (Rechtsbehelfsbelehrung im Bescheid).
Warum sind die 150 Tage Restanspruch so kritisch?
Das Gesetz verlangt, dass der ALG-I-Anspruch bei Aufnahme der Selbstständigkeit noch mindestens 150 Tage beträgt (§ 93 Abs. 2 SGB III). Der Restanspruch schmilzt mit jedem Bezugstag — wer die Gründung lange hinauszögert, unterschreitet die Grenze und verliert die Fördermöglichkeit. Auch eine Sperrzeit mindert die Anspruchsdauer (§ 148 Abs. 1 Nr. 3 und 4 SGB III). Deshalb früh mit der Agentur sprechen und rückwärts vom geplanten Gründungsdatum rechnen. Der Anspruch darf zudem nicht allein auf § 147 Absatz 3 beruhen; für Menschen mit Behinderungen im Sinne des § 19 SGB III nennt die Bundesagentur eine Ausnahme von der 150-Tage-Grenze.
Wer stellt die Tragfähigkeitsbescheinigung aus — und was kostet sie?
Fachkundige Stellen sind laut Gesetz insbesondere Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, berufsständische Kammern, Fachverbände und Kreditinstitute. Die Stellungnahme erfolgt auf einem BA-Vordruck; Grundlage sind Businessplan, Lebenslauf, Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplan sowie Umsatz- und Rentabilitätsvorschau. Ob Gebühren anfallen, regelt die jeweilige Stelle; verbindliche Auskunft gibt die Stelle selbst. Die freie Wahl unter den fachkundigen Stellen steht laut Bundesagentur grundsätzlich beim Antragsteller.
Wofür sind die 300 Euro pauschal gedacht?
Der Zuschlag dient nach dem Förderzweck des § 93 SGB III der „sozialen Sicherung in der Zeit nach der Existenzgründung". Der BA-Wegweiser nennt die 300 Euro „zur sozialen Absicherung". Die Bundesagentur weist zudem auf die Antragspflichtversicherung hin: Wer freiwillig Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zahlt, ist abgesichert, falls er erneut arbeitslos wird.
Kann ich nach einer früheren Förderung erneut den Zuschuss bekommen?
Erst nach Wartezeit: Die Förderung ist ausgeschlossen, wenn seit dem Ende einer früheren Gründungsförderung nach dem SGB III noch keine 24 Monate vergangen sind. Von dieser Frist kann nur wegen besonderer, in der Person liegender Gründe abgesehen werden (§ 93 Abs. 4 SGB III). Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat, erhält vom Beginn des folgenden Monats an keinen Gründungszuschuss mehr (§ 93 Abs. 5 SGB III).
Lässt sich der Gründungszuschuss mit einem Gründerkredit kombinieren?
Ja, grundsätzlich: Laut KfW-Merkblatt ist die Kombination eines StartGeld-Kredits mit anderen Fördermitteln wie Krediten oder Zulagen/Zuschüssen möglich (nicht dagegen mit anderen KfW- oder ERP-Programmen). Der Gründungszuschuss dient der Sicherung des Lebensunterhalts und der sozialen Sicherung (§ 93 Abs. 1 SGB III); das KfW StartGeld 067 finanziert Investitionen und Betriebsmittel (bis 200.000 € pro Vorhaben, davon höchstens 80.000 € Betriebsmittel) und wird bei einem Finanzierungspartner nach Wahl vor Beginn des Vorhabens beantragt.
Transparenz

Unsere Quellen

  1. [01]
    § 93 SGB III — Gründungszuschuss (Voraussetzungen)
    gesetze-im-internet.dePrimärquelleBundesministerium für Arbeit und Soziales
  2. [02]
    § 94 SGB III — Dauer und Höhe der Förderung
    gesetze-im-internet.dePrimärquelleBundesministerium für Arbeit und Soziales
  3. [03]
    Gründungszuschuss — Hinweise und Hilfen zur Existenzgründung (Wegweiser)
    arbeitsagentur.dePrimärquelleBundesagentur für Arbeit
  4. [04]
    Stellungnahme der fachkundigen Stelle zur Tragfähigkeit (BA-Vordruck)
    arbeitsagentur.dePrimärquelleBundesagentur für Arbeit
  5. [05]
    Unterstützung für eine Existenzgründung (Programmseite)
    arbeitsagentur.dePrimärquelleBundesagentur für Arbeit
  6. [06]
    Gründungszuschuss beantragen (Voraussetzungen, Phasen, Antrag)
    arbeitsagentur.dePrimärquelleBundesagentur für Arbeit
  7. [07]
    § 148 SGB III — Minderung der Anspruchsdauer
    gesetze-im-internet.deRechtsgrundlageBundesministerium für Arbeit und Soziales

Wie wir Quellen auswählen, gegeneinander abwägen und Angaben vor der Veröffentlichung gegen das Original prüfen, steht in unserer Methodik.

Verwandte Themen und Tools

Zurück zur Ratgeber-Übersicht oder direkt zum Förder-Index.