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Antrag · Weiterbildung

Bildungsgutschein beantragen — Weiterbildung mit Kostenübernahme

Der Bildungsgutschein (§ 81 SGB III) bescheinigt, dass die Voraussetzungen für die Förderung einer beruflichen Weiterbildung durch die Agentur für Arbeit vorliegen: Lehrgangskosten, Fahrkosten, auswärtige Unterbringung und Kinderbetreuung können übernommen werden. Voraussetzung ist, dass die Weiterbildung notwendig ist, um Arbeitslosigkeit zu beenden oder abzuwenden (für den nachträglichen Berufsabschluss gelten eigene Voraussetzungen), die Agentur vor Beginn beraten hat und Maßnahme wie Träger für die Förderung zugelassen sind. Der Gutschein kann befristet sowie regional und auf Bildungsziele beschränkt sein.

Leistung
Übernahme der Weiterbildungskosten
Rechtsgrundlage
§ 81 SGB III (Abs. 1: Ermessen)
Pflicht vor Beginn
Beratung durch die Agentur
Kurs-Voraussetzung
AZAV-zugelassene Maßnahme + Träger

Was ist der Bildungsgutschein — und was übernimmt er?

Mit dem Bildungsgutschein bescheinigt die Agentur für Arbeit, dass die Voraussetzungen für eine Weiterbildungsförderung vorliegen[01] — Leistungen können unmittelbar an den ausgewählten Bildungsträger gezahlt werden[02]. Übernommen werden die unmittelbar durch die Weiterbildung entstehenden Kosten[02]: Lehrgangskosten samt Eignungsfeststellung, Fahrkosten, Kosten für auswärtige Unterbringung und Verpflegung sowie Kinderbetreuungskosten. Wichtig für die Erwartungshaltung: Bei der klassischen Route (§ 81 Abs. 1) gibt es keinen Rechtsanspruch — „können … gefördert werden" ist eine Ermessensentscheidung. Auf die Förderung des nachträglichen Erwerbs eines Berufsabschlusses und eines Hauptschulabschlusses besteht dagegen unter bestimmten Voraussetzungen ein Rechtsanspruch[03].

Kosten-PostenHinweis
Lehrgangskosten + EignungsfeststellungZahlung kann direkt an den Träger erfolgen
FahrkostenPendelfahrten zur Maßnahme
Auswärtige Unterbringung und Verpflegungwenn tägliches Pendeln nicht zumutbar ist
KinderbetreuungKosten der Betreuung während der Weiterbildung
Übernommene Weiterbildungskosten nach § 83 SGB III[02]

Wer bekommt den Bildungsgutschein?

Vier Wege führen nach § 81 SGB III zur Förderung[01]: Erstens die klassische Route — die Weiterbildung ist notwendig, um bei Arbeitslosigkeit beruflich einzugliedern oder eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden; bei Arbeitslosen genügt nach § 81 Abs. 1a auch, dass erweiterte berufliche Kompetenzen die Beschäftigungsfähigkeit verbessern und die Weiterbildung arbeitsmarktlich zweckmäßig ist. Zweitens der nachträgliche Berufsabschluss: gefördert wird, wer keinen (mindestens zweijährigen) Berufsabschluss hat — oder wer nach über vier Jahren an- oder ungelernter Tätigkeit seinen erlernten Beruf voraussichtlich nicht mehr ausüben kann; die Vorschrift nennt Arbeitnehmer allgemein und setzt keine Arbeitslosigkeit voraus, verlangt aber unter anderem Eignung, voraussichtlich erfolgreiche Teilnahme und verbesserte Beschäftigungschancen. Drittens der nachgeholte Hauptschulabschluss. Viertens der Erwerb von Grundkompetenzen, wenn er die Grundlage für eine erfolgreiche berufliche Weiterbildung schafft oder die Beschäftigungsfähigkeit verbessert. Beschäftigte im bestehenden Arbeitsverhältnis werden außerdem nach § 82 SGB III gefördert[07]. Für alle vier Wege Pflicht: Beratung durch die Agentur VOR Beginn und ein zugelassener Kurs bei einem zugelassenen Träger.

Warum ist das Beratungsgespräch die eigentliche Hürde?

Der Gutschein entsteht im Beratungsgespräch: Die Agentur entscheidet dort nach ausführlicher Beratung, ob die Weiterbildung zur beruflichen Eingliederung notwendig ist, und berücksichtigt dabei Fähigkeiten, bisherigen Werdegang, Vorkenntnisse, Eignung und Mobilität sowie die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes[06]. Hilfreich ist deshalb, Belege mitzubringen: Bewerbungsverläufe, die am fehlenden Abschluss oder der fehlenden Qualifikation gescheitert sind; konkrete Stellenanzeigen, die die Ziel-Qualifikation verlangen; bei drohender Arbeitslosigkeit Nachweise des Arbeitgebers. Das Argument muss zu den Voraussetzungen des § 81 passen: Diese Weiterbildung schließt diese Lücke zum Arbeitsmarkt.

Wie läuft der Weg zum Bildungsgutschein Schritt für Schritt?

Der Gutschein entsteht im Zusammenspiel aus Beratungsgespräch, Kurswahl und rechtzeitiger Einlösung — in dieser Reihenfolge[01]:

  1. Termin bei der Agentur für Arbeit vereinbaren (Bezieher von Grundsicherungsgeld wenden sich an ihr Jobcenter, das den Bedarf feststellt; die Weiterbildungsberatung führt die Agentur durch[06]) — die Beratung vor Beginn der Teilnahme ist gesetzliche Fördervoraussetzung.
  2. Beratungsgespräch vorbereiten: Begründung entlang der Notwendigkeit (Eingliederung, drohende Arbeitslosigkeit, fehlender Abschluss) mit Belegen — Bewerbungshistorie, Stellenanzeigen, Qualifikationslücken.
  3. Zugelassenen Kurs suchen — Maßnahme UND Träger müssen von einer fachkundigen Stelle nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zugelassen sein; die Weiterbildungssuche der Bundesagentur läuft über das Portal mein NOW (Einstieg auch über die KURSNET-Seite der Bundesagentur)[04][06]. Kursziel, Dauer und Region mit dem Gutschein abstimmen.
  4. Bildungsgutschein entgegennehmen und die Beschränkungen lesen: Er kann zeitlich befristet sowie regional und auf bestimmte Bildungsziele beschränkt sein; einlösen lässt er sich nur für einen zugelassenen Lehrgang, der zum festgelegten Bildungsziel passt[06].
  5. Gutschein einlösen: Der gewählte Träger hat der Agentur den Bildungsgutschein VOR Beginn der Maßnahme vorzulegen (§ 81 Abs. 4), und der Eintritt in die Weiterbildung muss innerhalb der Gültigkeitsdauer erfolgen[06]. Die Leistungsunterlagen sind laut Merkblatt vor Beginn der Maßnahme vollständig einzureichen.
  6. Während der Maßnahme: Fahr-, Unterbringungs- und Kinderbetreuungskosten mit Nachweisen geltend machen; Lehrgangskosten können unmittelbar an den Träger gezahlt werden.

Welche Stolpersteine kosten die Förderung?

Erstens: Kurs beginnen, bevor Beratung und Gutschein vorliegen — die Beratung vor Beginn der Teilnahme ist Fördervoraussetzung, und der Träger hat den Gutschein vor Maßnahmebeginn vorzulegen[01]. Zweitens: Die Befristung übersehen — ein Gutschein kann zeitlich, regional und aufs Bildungsziel beschränkt sein; wer den Eintritt in die Weiterbildung nicht innerhalb der Gültigkeitsdauer schafft, muss einen neuen Bildungsgutschein beantragen[06]. Drittens: Ein Kurs ohne Zulassung — Maßnahme und Träger müssen für die Förderung zugelassen sein[01]; nur für zugelassene Lehrgänge lässt sich der Gutschein einlösen[06]. Viertens: Unvorbereitet ins Beratungsgespräch — über die Notwendigkeit entscheidet die Agentur nach der Beratung; ohne belastbare Begründung droht die Ablehnung. Gegen einen ablehnenden Bescheid ist innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe der Widerspruch möglich[06].

Häufige Fragen

Habe ich einen Rechtsanspruch auf den Bildungsgutschein?
Bei der klassischen Route nach § 81 Abs. 1 SGB III nicht: Die Vorschrift formuliert „können … gefördert werden" — eine Ermessensentscheidung der Agentur für Arbeit. Erfüllt sein müssen die Grundvoraussetzungen (Notwendigkeit, Beratung vor Beginn, zugelassene Maßnahme und Träger); ob gefördert wird, entscheidet die Agentur im Einzelfall. Auf die Förderung des nachträglichen Erwerbs eines Berufsabschlusses und eines Hauptschulabschlusses besteht dagegen unter bestimmten Voraussetzungen ein Rechtsanspruch. Gegen eine Ablehnung ist innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch möglich.
Bekomme ich den Bildungsgutschein auch als Beschäftigter?
Ja. Nach § 81 SGB III vor allem in diesen Konstellationen: wenn eine Arbeitslosigkeit konkret droht — oder über den nachträglichen Berufsabschluss, wenn kein mindestens zweijähriger Berufsabschluss vorliegt oder nach über vier Jahren an- oder ungelernter Tätigkeit der erlernte Beruf voraussichtlich nicht mehr ausgeübt werden kann. Daneben regelt § 82 SGB III die Förderung im bestehenden Arbeitsverhältnis (unter anderem: Maßnahme von mehr als 120 Stunden; der Arbeitgeber soll sich an den Lehrgangskosten beteiligen, in Betrieben mit weniger als 50 Beschäftigten soll davon abgesehen werden). Bei Beschäftigten kann die Agentur auf die Ausstellung des Bildungsgutscheins verzichten, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer damit einverstanden sind.
Agentur für Arbeit oder Jobcenter — wer ist zuständig?
Wer Arbeitslosengeld I bezieht oder beschäftigt ist, wendet sich an die Agentur für Arbeit. Auch für erwerbsfähige Leistungsberechtigte nach dem SGB II (Grundsicherungsgeld, früher Bürgergeld) ist seit dem 01.01.2025 die Agentur für Arbeit für Beratung, Entscheidung und Förderung der beruflichen Weiterbildung zuständig; das Jobcenter stellt den Bedarf fest und führt eine Vorklärung zur Eignung durch, danach bezieht es die Agentur ein.
Gilt der Bildungsgutschein auch für eine Umschulung?
Ja — die geförderte Weiterbildung kann ein kompletter nachträglicher Berufsabschluss sein, etwa eine Umschulung. Dafür gilt § 81 Abs. 2 SGB III: Gefördert wird, wer keinen Berufsabschluss mit mindestens zweijähriger Ausbildungsdauer hat oder wegen einer mehr als vier Jahre ausgeübten an- oder ungelernten Beschäftigung den erlernten Beruf voraussichtlich nicht mehr ausüben kann, für den angestrebten Beruf geeignet ist, voraussichtlich erfolgreich teilnimmt und mit dem Beruf seine Beschäftigungschancen verbessert. Maßnahme und Träger müssen wie immer zugelassen sein.
Wie finde ich einen zugelassenen Kurs?
Über die Weiterbildungssuche im Portal „mein NOW" der Bundesagentur für Arbeit (Einstieg auch über die KURSNET-Seite der Bundesagentur). Entscheidend ist, dass Maßnahme UND Träger von einer fachkundigen Stelle nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zugelassen sind — im Zweifel beim Bildungsträger nachfragen, ob der Lehrgang nach dem SGB III zugelassen ist und zum Bildungsziel im Gutschein passt, und sonst mit der Agentur für Arbeit sprechen.
Bildungsgutschein oder Aufstiegs-BAföG — was passt zu mir?
Der Bildungsgutschein greift bei Arbeitslosigkeit, drohender Arbeitslosigkeit oder fehlendem Berufsabschluss — die Agentur kann dann die Weiterbildungskosten (Lehrgangs-, Fahr-, Unterbringungs- und Kinderbetreuungskosten) übernehmen. Das Aufstiegs-BAföG fördert dagegen die Vorbereitung auf einen höheren Fortbildungsabschluss (Meister, Fachwirt, Techniker) — der Maßnahmebeitrag bis 15.000 € zu 50 % als Zuschuss, für den Rest besteht Anspruch auf ein KfW-Darlehen. Beide Förderungen lassen sich für dieselbe Zeit nicht beliebig kombinieren: Wird Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung geleistet, ist das Aufstiegs-BAföG ausgeschlossen (§ 3 AFBG). Welche Förderung im Einzelfall in Betracht kommt, klären Agentur für Arbeit und Förderamt.
Transparenz

Unsere Quellen

  1. [01]
    § 81 SGB III — Grundsatz der Weiterbildungsförderung (Bildungsgutschein)
    gesetze-im-internet.deRechtsgrundlageBundesministerium für Arbeit und Soziales
  2. [02]
    § 83 SGB III — Weiterbildungskosten
    gesetze-im-internet.deRechtsgrundlageBundesministerium für Arbeit und Soziales
  3. [03]
    Bundesagentur für Arbeit — Bildungsgutschein
    arbeitsagentur.dePrimärquelleBundesagentur für Arbeit
  4. [04]
  5. [05]
    Bundesagentur für Arbeit — Förderung der beruflichen Weiterbildung
    arbeitsagentur.dePrimärquelleBundesagentur für Arbeit
  6. [06]
    Merkblatt 6 — Förderung der beruflichen Weiterbildung (Bundesagentur für Arbeit)
    arbeitsagentur.dePrimärquelleBundesagentur für Arbeit
  7. [07]
    § 82 SGB III — Förderung beschäftigter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
    gesetze-im-internet.deRechtsgrundlageBundesministerium für Arbeit und Soziales

Wie wir Quellen auswählen, gegeneinander abwägen und Angaben vor der Veröffentlichung gegen das Original prüfen, steht in unserer Methodik.

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