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Sozialleistung · Lohnersatz

Arbeitslosengeld I 2026 — Anspruch, Höhe, Bezugsdauer

Arbeitslosengeld I ist eine Versicherungsleistung der Arbeitslosenversicherung. Wer in den letzten zweieinhalb Jahren mindestens zwölf Monate versicherungspflichtig beschäftigt war, erhält bei Arbeitslosigkeit 60 Prozent (mit mindestens einem Kind im Sinne von § 32 EStG 67 Prozent) des pauschalierten Nettoentgelts. Die Bezugsdauer reicht von sechs Monaten bis maximal 24 Monaten, gestaffelt nach Versicherungsmonaten und Lebensalter. Zuständig ist die Agentur für Arbeit.

Leistungssatz allgemein
60 % vom pauschalierten Netto
Erhöhter Satz mit Kind
67 % vom pauschalierten Netto
Bezugsdauer
6 bis 24 Monate
Anwartschaftszeit
12 Monate in 30 Monaten Rahmenfrist

Was ist Arbeitslosengeld I und wer hat Anspruch?

Arbeitslosengeld I — kurz ALG I — ist eine reine Versicherungsleistung, finanziert aus den Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung. Anspruch hat, wer arbeitslos ist, sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos meldet (elektronisch oder persönlich) und die Anwartschaftszeit erfüllt[01]. Die Anwartschaftszeit verlangt mindestens zwölf Monate in einem Versicherungspflichtverhältnis innerhalb der Rahmenfrist von 30 Monaten (§§ 142, 143 SGB III). Versicherungspflichtig sind auch Zeiten, in denen Krankengeld oder Mutterschaftsgeld bezogen wurde (§ 26 Abs. 2 SGB III), sowie ein Versicherungspflichtverhältnis auf Antrag. Eine geringfügige Beschäftigung ist dagegen versicherungsfrei (§ 27 Abs. 2 SGB III) und zählt nicht mit. Selbstständige sind grundsätzlich nicht in der Arbeitslosenversicherung, können aber unter den Voraussetzungen des § 28a SGB III ein Versicherungspflichtverhältnis auf Antrag begründen.

Wie hoch ist Arbeitslosengeld I?

Die Leistung beträgt nach § 149 SGB III 60 Prozent des pauschalierten Nettoentgelts (allgemeiner Leistungssatz) oder 67 Prozent, wenn die arbeitslose Person (unter weiteren Voraussetzungen auch ihr Ehegatte oder Lebenspartner) mindestens ein Kind im Sinne von § 32 Abs. 1, 3 bis 5 EStG hat[02]. Bemessungsgrundlage ist das durchschnittlich auf den Tag entfallende beitragspflichtige Bruttoentgelt im Bemessungsrahmen von einem Jahr, der mit dem letzten Tag des letzten Versicherungspflichtverhältnisses endet (§§ 150, 151 SGB III; unter Voraussetzungen auf zwei Jahre erweitert). Aus diesem Brutto wird ein pauschaliertes Netto gebildet — abgezogen werden eine Sozialversicherungspauschale von 20 Prozent, die Lohnsteuer und der Solidaritätszuschlag (§ 153 SGB III) —, und davon werden 60 bzw. 67 Prozent ausgezahlt. Beitragsbemessungsgrenze 2026: das Bruttoentgelt wird bis zur Höhe von 8.450 Euro pro Monat (101.400 Euro im Jahr) berücksichtigt[06] — höhere Gehälter erhöhen die ALG-I-Leistung nicht.

Wie lange wird Arbeitslosengeld I gezahlt?

Die Bezugsdauer richtet sich nach Versicherungspflichtmonaten und Lebensalter bei Entstehung des Anspruchs[03]. Grundregel: 6 Monate Bezug ab 12 Versicherungsmonaten, in Stufen steigend auf 12 Monate bei 24 Versicherungsmonaten; darüber hinaus gibt es längere Bezugsdauern nur für ältere Versicherte ab 50, 55 und 58 Jahren, maximal 24 Monate — siehe Tabelle. Maßgeblich sind die Versicherungspflichtverhältnisse innerhalb der letzten fünf Jahre (der um 30 Monate erweiterten Rahmenfrist). Wer einen Anspruch nicht ausschöpft (z. B. weil eine neue Beschäftigung früher beginnt), kann ihn bis zu vier Jahre nach Anspruchsentstehung noch geltend machen[08]; entsteht in der Zwischenzeit ein neuer Anspruch, erlischt der alte, seine Restdauer verlängert den neuen aber unter den Voraussetzungen des § 147 Abs. 4 SGB III (weniger als fünf Jahre seit Entstehung), höchstens bis zur altersabhängigen Höchstdauer.

VersicherungsmonateLebensalterBezugsdauer ALG I
12 Monatebeliebig6 Monate
16 Monatebeliebig8 Monate
20 Monatebeliebig10 Monate
24 Monatebeliebig12 Monate
30 Monateab 50 Jahren15 Monate
36 Monateab 55 Jahren18 Monate
48 Monateab 58 Jahren24 Monate
ALG-I-Bezugsdauer nach Versicherungspflichtmonaten und Lebensalter (§ 147 Abs. 2 SGB III)[03]

Wie beantragt man Arbeitslosengeld I?

Die Arbeitslosmeldung ist spätestens am ersten Tag der Arbeitslosigkeit elektronisch oder persönlich vorzunehmen (§ 141 SGB III) — wer sich später meldet, erhält für die Tage davor kein Arbeitslosengeld. Das Arbeitslosengeld gilt mit der Arbeitslosmeldung als beantragt, wenn keine andere Erklärung abgegeben wird (§ 323 Abs. 1 SGB III); der Antrag selbst wird anschließend gestellt. Spätestens drei Monate vor Ende eines bekannten Beschäftigungsverhältnisses muss man sich bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend melden (bei späterer Kenntnis innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis des Beendigungszeitpunkts) — sonst droht eine einwöchige Sperrzeit. Die eigentliche Arbeitslosmeldung erfolgt dann zum ersten Tag der Arbeitslosigkeit.

  1. Drei Monate vor Beschäftigungsende: persönlich oder online bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend melden (über www.arbeitsagentur.de oder Telefon 0800 4 5555 00). Termin vereinbaren.
  2. Bei Eigenkündigung oder Aufhebungsvertrag: Risiko einer Sperrzeit von bis zu 12 Wochen prüfen — liegt ein wichtiger Grund vor (z. B. Mobbing am Arbeitsplatz oder Umzug zum Ehegatten bzw. Lebenspartner), muss die betroffene Person die Tatsachen darlegen und nachweisen[04].
  3. Spätestens am ersten Tag der Arbeitslosigkeit: elektronisch oder persönlich arbeitslos melden. Unterlagen bereithalten: die Arbeitsbescheinigung des Arbeitgebers (bei Online-Antrag kann die Bundesagentur sie anfordern) sowie für die Online-Meldung ein Ausweisdokument mit Online-Ausweisfunktion, die AusweisApp und ein Smartphone oder Kartenlesegerät[09].
  4. Das Arbeitslosengeld online auf www.arbeitsagentur.de beantragen — die Agentur prüft Anwartschaftszeit, berechnet das pauschalierte Nettoentgelt und teilt die Bezugsdauer mit.
  5. Die Eingliederungsvereinbarung mit der Agentur abschließen und die darin festgelegten Eigenbemühungen (z. B. Bewerbungen) erbringen und nachweisen — fehlen die Nachweise, tritt eine Sperrzeit ein (zwei Wochen bei unzureichenden Eigenbemühungen)[09]. Wer die Bezugszeit für eine Qualifizierung nutzen will: die Agentur kann über den Bildungsgutschein die Weiterbildungskosten (Lehrgangs-, Fahr-, Unterbringungs- und Kinderbetreuungskosten, § 83 SGB III) übernehmen.

Welche Sperrzeiten kosten den Anspruch?

Sperrzeiten reduzieren oder unterbrechen den Leistungsbezug, ohne dass die Bezugsdauer nachgeschoben wird — verlorene Tage sind weg[04]. Die häufigsten Sperrzeit-Auslöser: Eigenkündigung ohne wichtigen Grund (12 Wochen Sperrzeit, in Sonderfällen verkürzt auf 3 oder 6 Wochen), Aufhebungsvertrag (ebenfalls 12 Wochen, wenn kein wichtiger Grund vorlag), verspätete Arbeitsuchend-Meldung (1 Woche), Ablehnung einer zumutbaren Arbeit (3 bis 12 Wochen), Versäumte Meldetermine (1 Woche pro Versäumnis). Die Anspruchsdauer mindert sich um die Tage der Sperrzeit; bei einer Sperrzeit von zwölf Wochen wegen Arbeitsaufgabe mindestens um ein Viertel der Anspruchsdauer[07]. Sperrzeiten von insgesamt mindestens 21 Wochen lassen den Anspruch erlöschen, wenn schriftliche Bescheide ergangen sind und auf diese Rechtsfolge hingewiesen wurde (§ 161 Abs. 1 Nr. 2 SGB III). Als wichtigen Grund erkennt die Bundesagentur bei Aufgabe der Beschäftigung u. a. erheblichen psychischen Druck oder Mobbing am Arbeitsplatz sowie die Herstellung der ehelichen Gemeinschaft oder eingetragenen Lebenspartnerschaft an[10]; die Tatsachen muss die betroffene Person darlegen und nachweisen[04].

Was passiert nach Ende des ALG I?

Wer nach 6 bis 24 Monaten ALG I nicht zurück in Arbeit ist, kann beim zuständigen Jobcenter Grundsicherungsgeld beantragen (seit dem 1. Juli 2026 Nachfolger des Bürgergeldes; Grundsicherung für Arbeitsuchende, SGB II) — es schließt sich nicht automatisch an, den Antrag sollte man rechtzeitig stellen. Grundsicherungsgeld ist im Gegensatz zu ALG I eine bedürftigkeitsabhängige, steuerfinanzierte Leistung — Einkommen und Vermögen der Bedarfsgemeinschaft werden berücksichtigt. Ein nicht ausgeschöpfter Restanspruch auf ALG I kann bis vier Jahre nach seiner Entstehung noch geltend gemacht werden[08].

Häufige Fragen

Bekomme ich ALG I auch nach Eigenkündigung?
Grundsätzlich ja, aber wer das Beschäftigungsverhältnis ohne wichtigen Grund selbst gelöst hat, bekommt eine Sperrzeit von 12 Wochen (in Sonderfällen 3 oder 6 Wochen) — in dieser Zeit ruht der Anspruch, und die Anspruchsdauer mindert sich um die Tage der Sperrzeit, bei zwölf Wochen mindestens um ein Viertel. Ein wichtiger Grund (z. B. Mobbing am Arbeitsplatz oder dass die Arbeit nach dem Leistungsvermögen nicht zumutbar ist) verhindert die Sperrzeit; die Tatsachen muss die betroffene Person darlegen und nachweisen.
Wie wirken sich Abfindung und Aufhebungsvertrag aus?
Bei einem Aufhebungsvertrag verhängt die Agentur eine 12-Wochen-Sperrzeit, wenn kein wichtiger Grund vorlag, weil der Beschäftigte die Beendigung selbst herbeigeführt hat. Nach den Fachlichen Weisungen der Bundesagentur liegt ein wichtiger Grund unter anderem vor, wenn eine rechtmäßige Arbeitgeberkündigung aus betrieblichen oder personenbedingten Gründen mit Bestimmtheit in Aussicht gestellt war, sie zum selben Zeitpunkt oder früher wirksam geworden wäre, die Kündigungsfrist eingehalten wird, der Beschäftigte nicht unkündbar war und eine Abfindung von bis zu 0,5 Monatsgehältern für jedes Jahr des Arbeitsverhältnisses gezahlt wird. Die Abfindung selbst bleibt bei der Bemessung des ALG I außer Betracht, kann aber das Ruhen des Anspruchs auslösen, wenn das Arbeitsverhältnis ohne Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist des Arbeitgebers endet (§ 158 SGB III).
Darf ich während des ALG-I-Bezugs etwas dazuverdienen?
Ja, solange die Tätigkeit weniger als 15 Stunden pro Woche umfasst (§ 138 Abs. 3 SGB III). Vom Einkommen aus der Tätigkeit werden zunächst Steuern, Sozialversicherungsbeiträge und Werbungskosten abgezogen; danach bleibt ein Freibetrag von 165 Euro pro Kalendermonat anrechnungsfrei, der übersteigende Betrag wird auf das ALG I angerechnet (§ 155 Abs. 1 SGB III). Wer die Nebentätigkeit schon in den letzten 18 Monaten vor Anspruchsentstehung mindestens zwölf Monate neben einem Versicherungspflichtverhältnis ausgeübt hat, kann einen höheren anrechnungsfreien Betrag haben (§ 155 Abs. 2). Bei 15 Wochenstunden oder mehr besteht keine Beschäftigungslosigkeit mehr — für diese Zeit liegt dann keine Arbeitslosigkeit im Sinne des Gesetzes vor.
Was passiert mit der Krankenversicherung während des ALG-I-Bezugs?
Wer ALG I bezieht und in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert ist, dessen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge trägt die Agentur für Arbeit; ebenso trägt sie die Rentenversicherungsbeiträge alleine. Der Versicherungsschutz besteht nur für Zeiten, für die Leistungen bezogen werden; ruht der Anspruch wegen einer Sperrzeit oder einer Urlaubsabgeltung, besteht er dennoch ab Beginn des Ruhenszeitraums. Bei privater Krankenversicherung übernimmt die Agentur die Beiträge nur bis zur Höhe der Beiträge der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung.
Kann ich während des ALG-I-Bezugs ins Ausland reisen?
Nur sehr begrenzt und nur mit vorheriger Zustimmung der Agentur: Während einer Reise gibt es ALG I für höchstens drei Wochen (21 Kalendertage) pro Kalenderjahr, Wochenenden und Feiertage zählen mit. Die Agentur kann einer Abwesenheit von bis zu sechs zusammenhängenden Wochen zustimmen, gezahlt wird aber nur für längstens 21 Kalendertage; bei einer Reise von mehr als sechs Wochen besteht für die gesamte Zeit kein Anspruch. Wer ohne vorherige Zustimmung verreist, bei dem wird die Bewilligung rückwirkend ab Reisebeginn aufgehoben. Für die Arbeitsuche in einem anderen EU- oder EWR-Staat oder der Schweiz kann das ALG I für 3 Monate mitgenommen werden (verlängerbar auf höchstens 6 Monate); der Antrag ist vor der Ausreise zu stellen, die Agentur stellt dafür bei Vorliegen der Voraussetzungen das Dokument PD U2 aus. Voraussetzung ist unter anderem, dass man der deutschen Agentur vor der Ausreise mindestens vier Wochen zur Verfügung stand (Wartefrist, die verkürzt werden kann).
Wie spät kann ich mich noch arbeitslos melden, wenn ich den Termin verpasse?
Jeder Tag, an dem die Arbeitslosmeldung verspätet erfolgt, kostet eine Tagesleistung ALG I — der Anspruch entsteht erst ab dem Tag der persönlichen oder elektronischen Meldung. Wer also drei Tage verpasst, erhält für diese drei Tage kein ALG I (Ausnahme: Die Agentur war am ersten Tag nicht dienstbereit, § 141 Abs. 2 SGB III). Wichtig: die Arbeitsuchend-Meldung drei Monate vor Beschäftigungsende ist separat und kostet bei Versäumnis eine einwöchige Sperrzeit, nicht nur einzelne Tage.
Transparenz

Unsere Quellen

  1. [01]
    § 137 SGB III — Anspruch auf Arbeitslosengeld
    gesetze-im-internet.deRechtsgrundlageBundesministerium für Arbeit und Soziales
  2. [02]
    § 149 SGB III — Leistungssätze 60 / 67 Prozent
    gesetze-im-internet.deRechtsgrundlageBundesministerium für Arbeit und Soziales
  3. [03]
    § 147 SGB III — Anspruchsdauer Arbeitslosengeld
    gesetze-im-internet.deRechtsgrundlageBundesministerium für Arbeit und Soziales
  4. [04]
    § 159 SGB III — Sperrzeiten
    gesetze-im-internet.deRechtsgrundlageBundesministerium für Arbeit und Soziales
  5. [05]
    Bundesagentur für Arbeit — Arbeitslosengeld online beantragen
    arbeitsagentur.dePrimärquelleBundesagentur für Arbeit
  6. [06]
    Sozialversicherungsrechengrößen-Verordnung 2026 — § 4 Beitragsbemessungsgrenzen
    gesetze-im-internet.deRechtsgrundlageBundesministerium für Arbeit und Soziales
  7. [07]
    § 148 SGB III — Minderung und Verlängerung der Anspruchsdauer
    gesetze-im-internet.deRechtsgrundlageBundesministerium für Arbeit und Soziales
  8. [08]
    § 161 SGB III — Erlöschen des Anspruchs
    gesetze-im-internet.deRechtsgrundlageBundesministerium für Arbeit und Soziales
  9. [09]
    Bundesagentur für Arbeit — Merkblatt 1 für Arbeitslose (Rechte und Pflichten)
    arbeitsagentur.dePrimärquelleBundesagentur für Arbeit
  10. [10]
    Bundesagentur für Arbeit — Fachliche Weisungen zu § 159 SGB III (Sperrzeit)
    arbeitsagentur.dePrimärquelleBundesagentur für Arbeit
  11. [11]
    Bundesagentur für Arbeit — Wissenswertes zum Thema Umzug und Reisen
    arbeitsagentur.dePrimärquelleBundesagentur für Arbeit
  12. [12]
    Bundesagentur für Arbeit — Merkblatt 20: Arbeitslosengeld und Auslandsbeschäftigung
    arbeitsagentur.dePrimärquelleBundesagentur für Arbeit

Wie wir Quellen auswählen, gegeneinander abwägen und Angaben vor der Veröffentlichung gegen das Original prüfen, steht in unserer Methodik.

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