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Sozialleistung · Grundsicherung

Grundsicherungsgeld 2026 (ehemals Bürgergeld) — Anspruch, Höhe, Antrag

Grundsicherungsgeld ist die staatliche Grundsicherung nach SGB II für erwerbsfähige Personen ab 15 Jahren und ihre Bedarfsgemeinschaft, deren Einkommen und Vermögen nicht zum Leben reichen. Die Leistung ersetzte 2023 als Bürgergeld das Arbeitslosengeld II und heißt seit dem 1. Juli 2026 amtlich Grundsicherungsgeld. Sie umfasst einen Regelsatz für den Lebensunterhalt sowie die separat übernommenen Kosten der Unterkunft. Zuständig ist das Jobcenter am Wohnort, bei dem auch der Antrag gestellt wird.

Leistungsberechtigte 2025
rund 5,3 Mio (Jahresdurchschnitt)
Regelsatz Single 2026
563 € pro Monat (Nullrunde)
Wohnkosten
in tatsächlicher, angemessener Höhe (KdU)
Zuständig
Jobcenter vor Ort

Was ist Grundsicherungsgeld (Bürgergeld) und wie ersetzt es Hartz IV?

Bürgergeld hieß die Leistung der Grundsicherung für Arbeitsuchende vom 1. Januar 2023 bis zum 30. Juni 2026 — sie ersetzte das Arbeitslosengeld II (umgangssprachlich „Hartz IV") im Rahmen der Bürgergeld-Reform[01]; seit dem 1. Juli 2026 heißt sie Grundsicherungsgeld[03]. Die Leistung sichert das verfassungsrechtlich verbriefte Existenzminimum[02] und besteht aus zwei getrennten Bestandteilen: dem pauschalen Regelsatz für Ernährung, Kleidung, Hygiene, Strom und Teilhabe am sozialen Leben sowie den Kosten der Unterkunft (Kaltmiete, Nebenkosten, Heizung) in tatsächlicher Höhe, soweit sie angemessen sind. Wer mit dem erwerbsfähigen Leistungsberechtigten als Partner oder als unverheiratetes Kind unter 25 Jahren im selben Haushalt lebt, gehört zu seiner sogenannten Bedarfsgemeinschaft — Bedarfe, Einkommen und Vermögen werden gemeinsam berücksichtigt[03].

Wer hat Anspruch auf Grundsicherungsgeld (Bürgergeld)?

Anspruch besteht für Personen zwischen 15 und der Regelaltersgrenze, die erwerbsfähig sind, in Deutschland leben und ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen, Vermögen oder vorrangigen Sozialleistungen decken können[03]. Erwerbsfähig heißt: in der Lage, mindestens drei Stunden täglich unter den Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarkts zu arbeiten — eine vorübergehende Krankheit oder Arbeitsunfähigkeit schließt den Anspruch nicht aus; nach den Weisungen der Bundesagentur gilt als „absehbare Zeit" ein Zeitraum von bis zu sechs Monaten. Nicht erwerbsfähige Angehörige in der Bedarfsgemeinschaft erhalten ebenfalls Grundsicherungsgeld (bis Ende 2022 „Sozialgeld", danach bis Juni 2026 ebenfalls Bürgergeld genannt). Wer dauerhaft voll erwerbsgemindert ist oder die Altersgrenze erreicht hat, fällt in die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach SGB XII — nicht ins Grundsicherungsgeld.

Wie hoch ist der Regelsatz 2026?

Der Regelsatz richtet sich nach der Stellung in der Bedarfsgemeinschaft und dem Alter. Wegen des gesetzlichen Besitzschutzes bleiben die Regelbedarfe zum 1. Januar 2026 gegenüber 2025 unverändert — die rechnerische Fortschreibung hätte für die Stufe 1 niedrigere 557 Euro ergeben, durch den Besitzschutz gelten weiterhin 563 Euro[04]. Zusätzlich zum Regelsatz übernimmt das Jobcenter die Kosten der Unterkunft und Heizung in tatsächlicher Höhe, soweit die Wohnung als angemessen gilt. Was angemessen ist, definiert jede Kommune über kommunale Mietobergrenzen. Mit Regelsatz, Miete und Einkommen lässt sich die Grundsicherungsgeld-Höhe berechnen, einschließlich der Anrechnung von Erwerbseinkommen.

StufePersonenkreisRegelsatz monatlich
RBS 1Alleinstehende, Alleinerziehende563 €
RBS 2Partner in Bedarfsgemeinschaft (je Person)506 €
RBS 3Volljährige unter 25 im Haushalt der Eltern; unter 25-Jährige, die ohne Zusicherung des Jobcenters umziehen451 €
RBS 4Jugendliche 14–17 Jahre471 €
RBS 5Kinder 6–13 Jahre390 €
RBS 6Kinder 0–5 Jahre357 €
Regelbedarfe Grundsicherungsgeld 2026 — gelten unverändert seit 2024 (Besitzschutz nach Fortschreibungsverordnung 2026)[04]

Was hat sich zum 1. Juli 2026 geändert?

Seit dem 1. Juli 2026 heißt das Bürgergeld amtlich „Grundsicherungsgeld" (13. SGB-II-Änderungsgesetz)[03]. An der Höhe der Regelsätze ändert sich dadurch nichts — die 563 Euro für Alleinstehende und die übrigen Stufen gelten unverändert weiter, zuständig bleibt das Jobcenter. Inhaltlich neu sind vor allem drei Punkte: Sanktionen mindern die Leistung jetzt einheitlich um 30 Prozent des Regelbedarfs (gedeckelt auf insgesamt 30 Prozent, Wohnkosten werden durch Minderungen nicht gekürzt; wer eine zumutbare Arbeit willentlich nicht aufnimmt, verliert schon seit dem 23. April 2026 den Regelbedarf ganz). Beim Vermögen gelten altersgestaffelte Freibeträge von 5.000 bis 20.000 Euro pro Person statt der früheren Karenzzeit-Freibeträge. Die einjährige Karenzzeit für Wohnkosten bleibt bestehen, allerdings mit Obergrenze beim Anderthalbfachen der angemessenen Kosten.

Welche Mehrbedarfe gibt es zum Regelsatz?

Über den Regelsatz hinaus zahlt das Jobcenter sogenannte Mehrbedarfe für besondere Lebenssituationen. Dazu zählen 17 Prozent für Schwangere ab der 13. Schwangerschaftswoche, gestaffelt 12 bis 60 Prozent für Alleinerziehende je nach Anzahl und Alter der Kinder, ein pauschaler Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung bei medizinisch begründeten Diäten und 35 Prozent für Menschen mit Behinderung, die an bestimmten Eingliederungsmaßnahmen teilnehmen[03]. Einen eigenen Antrag schreibt das Gesetz für Mehrbedarfe nicht vor, sie gehören zum Grundsicherungsgeld[03] — das Jobcenter kann sie aber nur berücksichtigen, wenn es von der Lebenslage weiß. Eine Schwangerschaft, die Alleinerziehung oder eine medizinisch nötige Ernährung gehören deshalb in den Antrag oder werden später mitgeteilt und mit Nachweisen belegt; für die kostenaufwändige Ernährung gibt es dafür die Anlage MEB.

Wie stellt man den Erstantrag (Hauptantrag) — online oder auf Papier?

Der Antrag auf Grundsicherungsgeld (bis Juni 2026 Bürgergeld) ist an keine Form gebunden: Er kann online, persönlich, telefonisch oder schriftlich beim zuständigen Jobcenter gestellt werden[09]. Für Zeiten vor dem Antrag zahlt das Jobcenter nichts, der Antrag auf Leistungen zum Lebensunterhalt wirkt aber auf den Ersten des Antragsmonats zurück[07] — wer erst am 20. eines Monats beantragt, erhält in der Regel trotzdem Leistung für den ganzen Monat, sofern ein Anspruch besteht[09]. Nach einem telefonischen oder formlosen Antrag schickt das Jobcenter den Antragsvordruck zu[12]. Der schriftliche Antrag besteht aus dem Hauptantrag und den Anlagen, die zur eigenen Lebenslage passen; welche nötig sind, steht im Vordruck selbst. Wer mit Partner oder Kindern in einer Bedarfsgemeinschaft lebt, stellt den Antrag für alle Mitglieder[09].

  1. Antrag stellen — online über jobcenter.digital, telefonisch, persönlich oder per Post. Maßgeblich ist der Tag, an dem der Antrag beim Jobcenter eingeht; er wirkt auf den Ersten dieses Monats zurück[07].
  2. Hauptantrag ausfüllen: Online führt der Antrag Schritt für Schritt durch die nötigen Angaben. Auf Papier kommen die passenden Anlagen dazu, etwa Anlage EK (Einkommen einer Person ab 15 Jahren), Anlage VM (Vermögen der Bedarfsgemeinschaft), Anlage KDU (Unterkunft und Heizung), Anlage WEP (weitere Person ab 15 Jahren) oder Anlage KI (Kind unter 15 Jahren)[11].
  3. Nachweise beifügen: zum Beispiel Personalausweis, Kontoauszüge der vergangenen drei Monate, Lohnbescheinigung, Mietvertrag sowie Heiz- und Nebenkostenabrechnung — nur Kopien, keine Originale[09]. Fehlende Nachweise lassen sich nachreichen, abschließend geprüft wird der Antrag aber erst, wenn alle vorliegen[14].
  4. Bescheid prüfen: Das Jobcenter entscheidet schriftlich über den Antrag[09]; im Bewilligungsbescheid stehen der genaue Bewilligungszeitraum und die Höhe der Leistung[15].
  5. Beratungsgespräch wahrnehmen: Nach dem Antrag lädt das Jobcenter in der Regel zu einem Gespräch ein[14]; gemeinsam wird danach ein Kooperationsplan mit den nächsten Schritten erstellt[03].

Wann und wie stellt man den Weiterbewilligungsantrag?

Grundsicherungsgeld wird befristet bewilligt: Über den Anspruch entscheidet das Jobcenter in der Regel für ein Jahr[08], für sechs Monate zum Beispiel bei schwankendem Einkommen, bei Selbstständigkeit oder bei unangemessen hohen Wohnkosten[15]. Vor dem Ende des Bewilligungszeitraums schreibt das Jobcenter an; wer weiter Hilfe braucht, stellt dann einen Weiterbewilligungsantrag (WBA), auf arbeitsagentur.de „Grundsicherungsgeld verlängern" genannt[10]. Er fragt im Wesentlichen nur Änderungen ab, ist rechtlich aber ein neuer Antrag: Für Zeiten vor seiner Stellung gibt es keine Leistung[12]. Geht er erst nach dem Ende des Bewilligungszeitraums ein, wirkt er nur auf den Ersten des Eingangsmonats zurück[07] — endet die Bewilligung am 31. Oktober und kommt der Antrag erst im Dezember, bleibt der November ohne Leistung. Den WBA gibt es online und als Formular für Post oder persönliche Abgabe; die Angaben sind mit Nachweisen zu belegen, etwa mit aktuellen Einkommensnachweisen[10].

Gibt es den Antrag als PDF?

Ja. Hauptantrag, Weiterbewilligungsantrag und alle Anlagen stellt die Bundesagentur für Arbeit als PDF-Formulare im Download-Center auf arbeitsagentur.de bereit — zum Herunterladen, Ausfüllen und Ausdrucken[11]. Wer keinen Drucker hat, bekommt die Vordrucke im Jobcenter; ausgefüllt gehen sie per Post oder persönlich dorthin zurück[09]. jobcenter.digital ist dagegen der Online-Weg der Bundesagentur: Er fragt nur ab, was für die eigene Lebenslage wichtig ist, nimmt hochgeladene Nachweise direkt mit und bestätigt den Versand sofort[09]; nötig ist ein Benutzerkonto bei der Bundesagentur für Arbeit[16]. Bescheide, Schreiben und Formulare, auf denen noch „Bürgergeld" steht, bleiben gültig; die Bundesagentur stellt sie so bald wie möglich um[13]. Eine eigene Kopie der Formulare bietet diese Seite nicht an, damit immer die aktuelle Fassung der Bundesagentur genutzt wird.

Grundsicherungsgeld oder Wohngeld — wann passt welche Leistung?

Grundsicherungsgeld (bis Juni 2026 Bürgergeld) und Wohngeld schließen sich gegenseitig aus[05]. Faustregel: Wer den eigenen Lebensunterhalt aus Erwerbseinkommen oder Rente grundsätzlich bestreiten kann und nur bei der Miete entlastet werden muss, ist Wohngeld-Fall. Wer auf laufende Hilfe zur Sicherung des Existenzminimums angewiesen ist, ist Grundsicherungsgeld-Fall. In Grenzfällen lohnt eine Vergleichsberechnung. Wohngeld ist eine vorrangige Leistung: Das Jobcenter kann verlangen, dass Wohngeld beantragt wird, wenn dadurch die Hilfebedürftigkeit der ganzen Bedarfsgemeinschaft für mindestens drei zusammenhängende Monate wegfällt (§ 12a SGB II)[03]. Wer aus dem Grundsicherungsgeld in den Wohngeld-Bereich wechselt, stellt den Wohngeld-Antrag bei der Wohngeldbehörde. Wohngeld gibt es ab dem Ersten des Antragsmonats; lehnt das Jobcenter das Grundsicherungsgeld ab, kann Wohngeld schon ab dem abgelehnten Monat bewilligt werden, wenn der Wohngeld-Antrag vor Ablauf des Monats gestellt wird, der auf die Kenntnis der Ablehnung folgt (§ 25 Wohngeldgesetz).

Welche Stolpersteine kosten am häufigsten Geld?

Vier klassische Fehler kosten Grundsicherungsgeld-Empfänger spürbar: Erstens verspätete Antragstellung — der Anspruch entsteht nur ab Antragsmonat, jeder Monat ohne Antrag ist verloren. Zweitens nicht gemeldete Änderungen — eine neue Arbeit, eine Gehaltserhöhung oder ein Umzug müssen dem Jobcenter unverzüglich mitgeteilt werden; zu viel gezahltes Geld wird zurückgefordert, und wer eine Änderung vorsätzlich oder fahrlässig nicht rechtzeitig mitteilt, riskiert ein Bußgeld (§ 63 SGB II)[03]. Drittens Angemessenheits-Fallen bei der Wohnung: Liegt die Miete über der kommunalen Angemessenheitsgrenze, wird sie nach Ablauf der einjährigen Karenzzeit nur noch so lange voll übernommen, wie eine Senkung der Kosten nicht möglich oder zumutbar ist, in der Regel höchstens sechs Monate; danach zahlt das Jobcenter nur den angemessenen Teil, und die Differenz bleibt selbst zu tragen[03]. Viertens Pflichtverletzungen — wer etwa geforderte Eigenbemühungen wie Bewerbungen nicht nachweist oder eine zumutbare Maßnahme abbricht, riskiert eine Minderung des Regelbedarfs um 30 Prozent für drei Monate; wer die Pflicht nachholt, erreicht die Aufhebung, frühestens aber nach einem Monat[17]. Wer Termine beim Jobcenter wiederholt ohne wichtigen Grund versäumt, verliert jeweils 30 Prozent des Regelbedarfs für einen Monat[18].

Häufige Fragen

Muss ich den Weiterbewilligungsantrag selbst stellen?
Ja. Das Jobcenter verlängert die Leistung nicht von selbst: Endet der Bewilligungszeitraum, ist ein Weiterbewilligungsantrag nötig, denn jede Folgebewilligung setzt einen neuen Antrag voraus. Das gilt auch für Bewilligungen, die noch unter dem Namen Bürgergeld ergangen sind. Wegen der Umbenennung in Grundsicherungsgeld zum 1. Juli 2026 musste dagegen niemand einen neuen Antrag stellen; bisherige Bescheide gelten inhaltlich weiter.
Ab wann zahlt das Jobcenter, wenn ich heute anrufe?
Ein Anruf genügt, um den Antrag zu stellen, denn er ist an keine Form gebunden. Der Antrag wirkt auf den Ersten des laufenden Monats zurück, auch wenn der Anruf erst in der Monatsmitte kommt; für frühere Monate zahlt das Jobcenter nichts. Nach dem Anruf schickt das Jobcenter den Antragsvordruck zu. Abschließend entschieden wird, sobald die Angaben und alle Nachweise vorliegen; laufende Zahlungen stehen danach in der Regel einen Kalendertag vor dem Monat bereit, für den sie gezahlt werden.
Kann ich Grundsicherungsgeld (Bürgergeld) komplett online beantragen?
Der Antrag selbst geht vollständig online: Über jobcenter.digital, die Online-Services der Bundesagentur für Arbeit, lassen sich Erstantrag und Nachweise übermitteln, Bescheide abrufen und Veränderungen mitteilen. Voraussetzung ist ein Benutzerkonto bei der Bundesagentur. Für den Weiterbewilligungsantrag online erhält man die Zugangsdaten laut Bundesagentur nach persönlicher Vorsprache im Jobcenter. Zu einem Beratungsgespräch lädt das Jobcenter nach dem Antrag in der Regel trotzdem ein.
Wie lange dauert die Bearbeitung des Antrags auf Grundsicherungsgeld (Bürgergeld)?
Das hängt vor allem an den Nachweisen: Abschließend geprüft wird der Antrag erst, wenn dem Jobcenter alle notwendigen Nachweise vorliegen; fehlende lassen sich nachreichen, online auch per Upload. Liegt ein Anspruch wahrscheinlich vor, braucht die Prüfung aber voraussichtlich längere Zeit, entscheidet das Jobcenter vorläufig und zahlt eine Leistung, die den monatlichen Bedarf deckt (§ 41a SGB II) — außer, der Antragsteller hat die Verzögerung selbst zu vertreten. Der Anspruch gilt in jedem Fall ab dem Ersten des Antragsmonats; eine längere Bearbeitung verschiebt die Auszahlung, nicht den Beginn.
Wie viel Vermögen darf ich beim Grundsicherungsgeld (Bürgergeld) haben?
Seit dem 1. Juli 2026 gelten altersgestaffelte Freibeträge: 5.000 Euro bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres, 10.000 Euro ab dem 31. Lebensjahr (also ab dem 30. Geburtstag), 12.500 Euro ab dem 41. und 20.000 Euro ab dem 51. Lebensjahr — jeweils pro Person der Bedarfsgemeinschaft, nicht ausgeschöpfte Freibeträge sind übertragbar. Die frühere Vermögens-Karenzzeit mit 40.000 Euro ist abgeschafft; für Bewilligungszeiträume, die vor dem 1. Juli 2026 begonnen haben, gilt sie aber bis zu deren Ende weiter (§ 65a SGB II). Selbstgenutztes Wohneigentum bis 140 Quadratmeter (Eigentumswohnung 130), für die Altersvorsorge bestimmte Versicherungsverträge, angemessener Hausrat und ein angemessenes Auto je erwerbsfähige Person werden grundsätzlich nicht angerechnet.
Muss ich jeden Job annehmen, der mir vom Jobcenter angeboten wird?
Grundsätzlich gilt eine breite Zumutbarkeit, aber nicht jeder Job ist Pflicht. Nicht zumutbar ist eine Arbeit vor allem, wenn man sie körperlich, geistig oder seelisch nicht leisten kann, wenn sie die Erziehung eines Kindes gefährden würde — bei Kindern ab dem vollendeten 14. Lebensmonat in der Regel nur, wenn die Betreuung nicht sichergestellt ist —, wenn sie mit der Pflege eines Angehörigen nicht vereinbar ist und die Pflege nicht anders sichergestellt werden kann oder wenn ein sonstiger wichtiger Grund entgegensteht (§ 10 SGB II). Eine Ablehnung ohne triftigen Grund kann jedoch zu Sanktionen führen.
Wird das Kindergeld auf das Grundsicherungsgeld (Bürgergeld) angerechnet?
Ja. Kindergeld für ein Kind, das zur Bedarfsgemeinschaft gehört, wird diesem Kind als Einkommen zugerechnet, soweit das Kind es für seinen Lebensunterhalt braucht, und mindert entsprechend dessen Anspruch (§ 11 SGB II). Bei Kindern ab 25, für die kein Kindergeld mehr gezahlt wird, entfällt diese Anrechnung. Wohngeld wird ebenfalls angerechnet, ist aber meistens nicht parallel beziehbar (siehe Wohngeld-vs-Grundsicherungsgeld-Vergleich).
Was ist die Karenzzeit beim Grundsicherungsgeld (Bürgergeld)?
Die Karenzzeit umfasst die ersten zwölf Monate des Bezugs und betrifft seit der Reform 2026 nur noch die Wohnkosten: Die Kosten der Unterkunft (nicht der Heizung) werden in tatsächlicher Höhe übernommen, auch wenn die Wohnung formal zu groß oder zu teuer ist — allerdings in der Regel höchstens bis zum Anderthalbfachen der abstrakt angemessenen Kosten; höhere Kosten können im Einzelfall anerkannt werden, wenn sie unabweisbar sind oder in Bedarfsgemeinschaften mit Kindern anfallen. In der Karenzzeit wird außerdem das selbst bewohnte Wohneigentum unabhängig von der Größe nicht als Vermögen berücksichtigt. Die frühere Vermögens-Karenzzeit mit erhöhtem Freibetrag von 40.000 Euro wurde für Bewilligungszeiträume ab dem 1. Juli 2026 durch altersgestaffelte Freibeträge ersetzt. Nach Ablauf der Karenzzeit greifen die kommunalen Angemessenheits-Regeln für die Miete.
Welche Sanktionen drohen bei Pflichtverletzungen?
Eine Pflichtverletzung, etwa nicht nachgewiesene Eigenbemühungen oder eine abgebrochene Maßnahme, mindert den Regelbedarf um 30 Prozent für drei Monate. Wer die Pflicht nachholt oder sich ernsthaft und nachhaltig dazu bereit erklärt, erreicht die Aufhebung, frühestens aber nach einem Monat. Wer Termine beim Jobcenter wiederholt ohne wichtigen Grund versäumt, verliert jeweils 30 Prozent des Regelbedarfs für einen Monat. Auch bei mehreren Minderungen ist die Kürzung auf insgesamt 30 Prozent des Regelbedarfs begrenzt, und die Zahlbeträge für Unterkunft und Heizung dürfen dadurch nicht sinken. Ausnahme: Wer eine tatsächlich mögliche, zumutbare Arbeit willentlich nicht aufnimmt, verliert den Regelbedarf ganz; die Wohnkosten sollen dann direkt an den Vermieter gehen. Diese Minderung endet nach einem Monat, wenn die Arbeitsaufnahme nicht mehr möglich ist, spätestens nach zwei Monaten.
Bekomme ich Grundsicherungsgeld (Bürgergeld) auch als Selbstständiger mit Auftragsflaute?
Ja, Selbstständige mit niedrigen Einkünften können aufstockend Grundsicherungsgeld beantragen. Das Jobcenter prüft Einnahmen und Ausgaben aus der Selbstständigkeit über einen Bewilligungszeitraum (typisch sechs Monate). Angerechnet werden die Betriebseinnahmen abzüglich der notwendigen Ausgaben, auf die Monate verteilt und vermindert um die Freibeträge für Erwerbstätige; ausgezahlt wird die Differenz zum Bedarf (§ 3 Grundsicherungsgeld-Verordnung). Spätestens nach einem Jahr ununterbrochenen Leistungsbezugs prüft das Jobcenter, ob statt der Selbstständigkeit eine Beschäftigung zumutbar ist (§ 10 Abs. 2 Nr. 5 SGB II).
Transparenz

Unsere Quellen

  1. [01]
    BMAS — Grundsicherung für Arbeitsuchende
    bmas.dePrimärquelleBundesministerium für Arbeit und Soziales
  2. [02]
    BVerfG — Existenzminimum-Urteil 1 BvL 1/09 vom 9. Februar 2010
    bundesverfassungsgericht.deRechtsgrundlageBundesverfassungsgericht
  3. [03]
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    gesetze-im-internet.deRechtsgrundlageBundesministerium für Arbeit und Soziales
  4. [04]
    BMAS — Fortschreibung der Regelbedarfe 2026 (Besitzschutz)
    bmas.deRechtsgrundlageBundesministerium für Arbeit und Soziales
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    Jobcenter.digital — Grundsicherungsgeld beantragen
    arbeitsagentur.dePrimärquelleBundesagentur für Arbeit
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    Bundesregierung — Nullrunde beim Bürgergeld 2026
    bundesregierung.dePrimärquellePresse- und Informationsamt der Bundesregierung
  7. [07]
    § 37 SGB II — Antragserfordernis (Rückwirkung auf den Monatsersten)
    gesetze-im-internet.deRechtsgrundlageBundesministerium für Arbeit und Soziales
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    § 41 SGB II — Berechnung der Leistungen und Bewilligungszeitraum
    gesetze-im-internet.deRechtsgrundlageBundesministerium für Arbeit und Soziales
  9. [09]
    Grundsicherungsgeld: Antrag und Bescheid
    arbeitsagentur.dePrimärquelleBundesagentur für Arbeit
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    Grundsicherungsgeld online verlängern (Weiterbewilligungsantrag)
    arbeitsagentur.dePrimärquelleBundesagentur für Arbeit
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    Merkblätter und Formulare — Hauptantrag, Weiterbewilligungsantrag, Anlagen (PDF)
    arbeitsagentur.dePrimärquelleBundesagentur für Arbeit
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    Fachliche Weisungen zu § 37 SGB II — Antragserfordernis
    arbeitsagentur.deRechtsgrundlageBundesagentur für Arbeit
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    Grundsicherungsgeld löst Bürgergeld ab
    arbeitsagentur.dePrimärquelleBundesagentur für Arbeit
  14. [14]
    Grundsicherungsgeld online beantragen — Schritt für Schritt
    arbeitsagentur.dePrimärquelleBundesagentur für Arbeit
  15. [15]
    Grundsicherungsgeld: Auszahlung und Dauer
    arbeitsagentur.dePrimärquelleBundesagentur für Arbeit
  16. [16]
    Online-Services der Jobcenter (jobcenter.digital)
    arbeitsagentur.dePrimärquelleBundesagentur für Arbeit
  17. [17]
    § 31b SGB II — Beginn und Dauer der Minderung
    gesetze-im-internet.deRechtsgrundlageBundesministerium für Arbeit und Soziales
  18. [18]
    § 32 SGB II — Meldeversäumnisse
    gesetze-im-internet.deRechtsgrundlageBundesministerium für Arbeit und Soziales
  19. [19]
    § 31a SGB II — Rechtsfolgen bei Pflichtverletzungen
    gesetze-im-internet.deRechtsgrundlageBundesministerium für Arbeit und Soziales
  20. [20]
    § 41a SGB II — Vorläufige Entscheidung
    gesetze-im-internet.deRechtsgrundlageBundesministerium für Arbeit und Soziales

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